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Berechnung, Quantifizierung und Berichterstattung „Grün“

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Abbildung 2: Die Beziehung zwischen LCA, EPD, PCR, PO und

Wie man die Umweltleistung von Aufzügen glaubwürdig behauptet und vergleicht

von Sascha Iqbal und Nikolay Minkov

Genau genommen gibt es keinen „grünen“ Aufzug, es sei denn, Sie beschichten Ihre Schachttüren und den Autoeingang mit grüner Farbe und dekorieren Ihren Autoinnenraum mit ein paar schicken grünen Paneelen. Offensichtlich hat jedoch jedes Produkt und jede Aktivität einen Einfluss auf die Umwelt, der im Vergleich zu einer Referenz oder Benchmark größer oder kleiner ist. Die Frage ist also eher, wie viel „grüner“ (dh quantitativ „besser“) die Gesamtumweltleistung eines Aufzugs im Vergleich zu der eines Mitbewerbers ist.

Ökobilanzen: Berechnung und Quantifizierung von „Grün“

Die weltweit anerkannteste wissenschaftliche Methode zur Messung von „Grün“ ist die Nutzung einer Lebenszyklusanalyse (LCA). Eine durch ISO 14040[1] und ISO 14044[2] standardisierte Ökobilanz ermöglicht eine quantifizierte Schätzung der Umweltleistung jeder Lebenszyklusphase eines Produkts oder einer Dienstleistung.

Die Durchführung einer Ökobilanz für ein ziemlich komplexes Produkt wie ein Aufzugssystem und die zugrunde liegende Lieferkette ist eine mühsame Aufgabe, die drei bis zwölf Monate Arbeit von einem Kernteam von ein bis zwei LCA-Experten erfordert, was zu langen technischen Berichten mit Die Ökobilanz führt zu mehr als nötigen Details. Beteiligt sind nicht nur das LCA-Projektkernteam, sondern auch zahlreiche Abteilungen (F&E, Einkauf, Marketing, Außenstellen, Fuhrparkmanager etc.), Fertigungsstandorte und Lieferanten. Diese Teilnehmer müssen auch in LCA geschult, über den Zweck des LCA-Projekts informiert, darüber informiert werden, welche Daten benötigt werden und wie diese Daten praktisch gesammelt werden können.

Daher erfordert die Durchführung einer vollständigen Ökobilanz von der „Wiege bis zur Bahre“ einen erheblichen Aufwand an Zeit, Fähigkeiten und finanziellen Ressourcen, auf die sich Unternehmen anfangs möglicherweise nur ungern verpflichten, es sei denn, der klare Wert der Ökobilanz wird offensichtlich (z bessere [wie transparentere und quantifizierbarere] Informationen zur Umweltleistung).

EPDs: Berichterstattung „grün“

Im Rahmen von Bewertungs- und Zertifizierungssystemen für „grünes“ Bauen wie Leadership in Energy & Environmental Design (LEED®), der Building Research Establishment Environmental Assessment Method (BREEAM®), der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB®), der französischen Hoher Umweltstandard (HQE .)TM) und GreenStar, sog. „Environmental Product Declarations“ (EPDs), haben zunehmend an Bedeutung gewonnen, weil sie für die Erlangung von Credits akzeptiert wurden (oder dazu beitragen). Besonders hervorzuheben sind Ökobilanzen oder EPDs, die für das Erreichen eines Punktes des Material- und Ressourcenkredits 2, Option 1 gemäß LEED v4 (2013) akzeptiert werden oder dazu beitragen.[3]

EPDs sind (im Allgemeinen) nach ISO 14025[4] genormt, wo sie offiziell als „Typ III-Umweltdeklarationen“ bezeichnet werden, und für Bauprodukte (insbesondere) nach ISO 21930[5] und CEN 15804.[6] Letztere ist derzeit neben einigen anderen nationalen Normen der am weitesten entwickelte, am weitesten verbreitete und akzeptierte EPD-Standard für Bauprodukte (Abbildung 1).

Im Gegensatz zu vollständigen Ökobilanzberichten fassen EPDs Ökobilanzergebnisse in einer prägnanteren, broschürenartigen Form zusammen. So haben mehrere Aufzugshersteller EPD-ähnliche Dokumente für ihre Produkte veröffentlicht.[7-10]

Erleichterung informierter „grüner“ Kaufentscheidungen

In der Praxis sind Aufzugs-EPDs und die darin enthaltenen jeweiligen Ökobilanzergebnisse aufgrund von Unterschieden in Funktionseinheiten, Berechnungsregeln, Vorgabewerten, Annahmen, Hintergrund-Lebenszyklus-Inventardaten, Systemgrenzen oder angewandter Allokation bisher nur sehr schwer oder gar nicht vergleichbar Abschneideregeln. Die „funktionale Einheit“ ist definiert als eine quantifizierte Leistung des Produkts zur Verwendung als Referenzeinheit in einer Umweltdeklaration über den Lebenszyklus eines Produkts. Sein Hauptzweck besteht darin, eine Referenz bereitzustellen, anhand derer die Input- und Outputströme (Material, Energie, Abfall, Emissionen usw.) der Ökobilanzergebnisse des Aufzugs und alle anderen Informationen normalisiert werden, um Daten auf einer gemeinsamen Basis zu erzeugen.[6 & 11]

Um Architekten, Bauherren, Planern oder Auftragnehmern wirklich zu ermöglichen und zu unterstützen, fundierte „grüne“ Kaufentscheidungen zu treffen, sollten EPDs vergleichbar sein. Vergleichspunkte sollten nach den gleichen Regeln und Systemgrenzen berechnet werden (zB analog zu nationalen oder internationalen Rechnungslegungsstandards für die Berechnung von Bilanzen oder Gewinn- und Verlustrechnungen) und konsistent angewendet werden. Hier kommen sogenannte „Product Category Rules“ (PCR) ins Spiel.

PCRs: Rechenregeln für „Grün“

PCRs definieren die Berechnungsregeln und Systemgrenzen (welche Phasen des Lebenszyklus und Komponenten, die in die Ökobilanzstudie aufgenommen/ausgeschlossen werden sollen) für die zugrunde liegende Ökobilanz sowie Format und Inhalt für die Berichterstattung in einer EPD. Die Existenz einer PCR ist Voraussetzung für die Erarbeitung einer EPD, um ISO 14025 konform zu sein.[4]

Erste Elevator-PCR-Entwicklung

Die Entwicklung der ersten Elevator-PCR wurde am 24. Mai 2013 unter dem Dach von The International EPD® System als sogenannter „EPD-Programmoperator“ (PO) nach ISO 14025 initiiert.[4] Der entwickelte Entwurf basiert auf den Anforderungen der sogenannten „General Program Instructions“ (GPIs) der PO,[11] ISO 14025[4] und CEN 15804[6] inklusive einer obligatorischen unabhängigen EPD-Verifizierung durch Dritte (Abbildung 2 ).

Das vorgeschlagene Lebenszyklusmodell für Aufzüge (Abbildung 3), das während des PCR-Entwicklungsprozesses ausgearbeitet wurde, ermöglicht eine flexible Aggregation von Lebenszyklusphasen, wenn es gemäß den Regeln der GPIs („Kern“, „Vorwärts“ und „Nachgelagerte“ Module), CEN . aggregiert wird 15804 (Stufen A1 bis C4) oder übliche LCA-Syntax für Bauprodukte („Cradle-to-Gate“, „Cradle-to-Job[Site]“ und „Cradle-to-Grave“).

PO: Administrativer Rahmen für „Grün“

Eine PO fungiert im Wesentlichen als Verwaltungsorgan eines EPD-Programms: Sie erstellt, pflegt und kommuniziert GPIs, führt öffentlich zugängliche Listen und Aufzeichnungen von PCR-Dokumenten und EPDs und muss ein transparentes Verfahren für die PCR-Überprüfung durch eine offene Stakeholder-Konsultation (OSC ).[4]

Entwürfe für PCR-Beratungen

Der OSC of the Elevator PCR wurde am 6. Dezember 2013 ins Leben gerufen, indem mindestens vier Dutzend Unternehmen, Branchenverbände, Industrie-Internetgruppen, Akademiker und Einzelpersonen aus der ganzen Welt aktiv eingeladen wurden. Zu den wichtigsten Herausforderungen und Problemen, die während des PCR-Entwicklungsprozesses aufgetreten sind und die bisher während des OSC behandelt wurden, gehören die folgenden:

  • Aufrechterhaltung eines Interessenausgleichs zwischen Branchenvertretern (Aufzugsunternehmen und -verbände), Wissenschaft, Institutionen und unabhängigen Ökobilanzexperten innerhalb des PCR-Entwicklungsausschusses und Interessengruppen
  • Definition einer sinnvollen Funktionseinheit (pro Tonnenkilometer, pro Personenkilometer und/oder pro Stockwerk)
  • Repräsentativität der vorgeschlagenen Standardsystemkonfigurationen und -parameter (Geografie, Aufzugsreferenzlebensdauer [RSL], Nutzungsintensität/-häufigkeit, Fahrten pro Jahr, tägliche Fahr- und Bereitschaftszeiten, Nennlast, Nenngeschwindigkeit, Fahrhöhe, Anzahl der Haltestellen, Einscherfaktor, Anzahl der Autoeinfahrten usw.)
  • Methodische Wahl für Systemenergiebedarf (ausgedrückt in kWh pro Jahr und pro Referenzlebensdauer) Berechnung: VDI 4707-1,[12] ISO/DIS 25745-2[13] und/oder ISO/DIS 25745-2 (ELEVATOR WORLD , September 2013)
  • Berücksichtigung von Bauteilklassifizierung und Energiebedarf nach VDI 4707-2 Entwurf[14]
  • Aufnahme/Ausschluss der Installationslebenszyklusphase in/aus dem sogenannten „Kernmodul“
  • Optionale Einbeziehung der Aufzugsmodernisierung und Erweiterung der Aufzugs-RSL auf Gebäude-RSL (typischerweise 50 Jahre für Gesamtgebäude-Ökobilanzen) zur Erleichterung der Integration in Gesamtgebäude-Ökobilanzen
  • Umweltwirkungsrelevanz und Einschluss/Ausschluss in/aus den Systemgrenzen von ozonschichtabbauenden Substanzen (wie sie möglicherweise zum Waschen von Leiterplatten oder als Kältemittel in den Klimaanlagen einiger Aufzüge verwendet werden, die in [sub]tropischen Klimazonen installiert sind ), Verpackung und Ersatzmaterial für Wartung und Reparatur
  • Zuteilungsregeln (basierend auf physischen Beziehungen, versus basierend auf wirtschaftlichen Beziehungen)
  • Ausschlussregeln (1, 5, 10 % oder mehr für jede Kategorie der Umweltauswirkungen, wie in der PCR definiert)
  • Ansatz zur Modellierung der Entsorgung und des Recyclings von Aufzugskomponenten am Ende ihrer Lebensdauer: sogenannter „Recycled Content“- oder Cut-Off-Ansatz versus sogenannter „End-of-Life-Recycling“ oder vermiedener Belastungsansatz
  • Deklaration von Gefahrstoffen (obligatorisch/optional, Detaillierungsgrad, geltende Gesetzgebung und geografischer Geltungsbereich)
  • Repräsentativität von Ausfallszenarien und vorgeschlagenen Parametern für die Modellierung von End-of-Life- und Transportphasen
  • Empfehlung von generischen Hintergrund-Lebenszyklus-Inventardatenbanken in Bezug auf Konsistenz, geografische und zeitliche Repräsentativität, technologische Äquivalenz und natürliche/technische Systemgrenzen
  • Definition der optionalen Offenlegung zusätzlicher (nicht LCA/qualitativer) Umweltinformationen, wie Energiesparfunktionen, Energieeffizienzlabels/-bewertungen, Wärmeverluste der Welle, Geräuschpegel, Recyclinganteil und elektromagnetische Verträglichkeit

Aufgrund unerwartet großen Interesses wurde das OSC bis zum 11. April unter goo.gl/6R00Ug verlängert, wo auch der Entwurf der Elevator-PCR heruntergeladen werden kann. Die Überprüfung und Genehmigung der Elevator-PCR ist für den 15. Mai und die Veröffentlichung für den 1. Juni geplant (Abbildung 4).

Referenzen
[1] ISO 14040: 2006 Umweltmanagement – ​​Ökobilanz – Grundsätze und Rahmenbedingungen
[2] ISO 14044: 2006 Umweltmanagement – ​​Ökobilanz – Anforderungen und Richtlinien
[3] LEED BD+C: Neubau | v4 Offenlegung und Optimierung von Bauprodukten – Umweltproduktdeklarationen (www.usgbc.org/node/2616376?return=/credits/new-construction/v47material-%26-resources, abgerufen am 23. Februar 2014)
[4] ISO 14025: 2006 Umweltzeichen und -deklarationen – Typ III-Umweltdeklarationen – Grundsätze und Verfahren
[5] ISO 21930: 2007 Nachhaltigkeit im Hochbau – Umweltdeklaration von Bauprodukten
[6] CEN 15804:2012 Nachhaltigkeit von Bauwerken – Umweltproduktdeklarationen – Grundregeln für die Produktkategorie Bauprodukte
[7] MP Lifts MP1310 GO! (www.mplifts.com/portal/c/document_library/get_file?uuid=1e08c15a-80f8-4b14-904e-99e6a71d21b8&groupId=10136, accessed 23-Februrary 23, 2014)
[8] ThyssenKrupp Elevator (www.tkearth.com/downloads/TKES_EPD_Digital_Brochure-Interactive.pdf, abgerufen am 23. Februar 2014)
[9] KONE MonoSpace® (cdn.kone.com/www.kone.us/Images/kone-monospace-environmental-product-declaration.pdf?v=2, abgerufen am 23. Februar 2014)
[10] Schindler, Environmental Fact Sheets (www.schindler.com/com/internet/en/about-schindler/corporate-citizenship/product-ecology.html, abgerufen am 23. Februar 2014)
[11] Allgemeine Programmanweisungen (Version 2.01) des Internationalen EPD-Systems
[12] VDI 4707-1: 2009 Aufzüge – Energieeffizienz
[13] ISO/DIS 25745-2 Energieeffizienz von Aufzügen, Fahrtreppen und Fahrsteigen – Teil 2: Energieberechnung und -klassifizierung für Aufzüge (Aufzüge)
[14] VDI 4707-2 Hebebühnen – Energieeffizienz – Komponenten
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Sascha Iqbal und Nikolay Minkov

Sascha Iqbal und Nikolay Minkov

Sascha Iqbal von IQ Consult GmbH, Schweiz, verfügt über 15 Jahre Erfahrung im Umweltmanagement und Ökodesign in der Aufzugs- und Fahrtreppenindustrie. Er ist akkreditierter LEED BD+C Professional und hat einen MSc in Umweltwissenschaften der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. Er bietet Beratung und Expertise in Nachhaltigkeitsanalysen von Aufzügen und Fahrtreppen. Er ist per E-Mail erreichbar: sascha.iqbal@bluewin.ch.

Nikolay Minkov ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Technischen Universität Berlin. Er ist Umweltingenieur und MSc in Umweltmanagement und nachhaltiger Entwicklung. Er arbeitet in den Bereichen Nachhaltigkeit, angewandte Ökobilanzen, EPDs und PCRs. Er ist unter anderem für die Moderation der Elevator-PCR-Entwicklung verantwortlich. Er ist per E-Mail erreichbar: nikolay.minkov@tu-berlin.de.

Aufzugswelt | April 2014 Titelbild

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